Kennst du das auch? Andere sitzen im T-Shirt da, während du schon zur Jacke greifst? Genau so geht es mir seit Jahren.
Ich friere unglaublich schnell. Klimaanlagen sind für mich oft eine echte Herausforderung. Während viele die kühle Luft angenehm finden, wünsche ich mir am liebsten sofort einen Pullover oder eine Decke. Besonders im Sommer ist das manchmal schwierig, weil man ständig zwischen der warmen Luft draußen und den kalten Räumen wechselt.
Am meisten merke ich es rund um meinen Eisprung und während meiner Periode. In dieser Zeit habe ich oft eiskalte Hände und Füße und bekomme das Gefühl, dass ich von innen heraus friere. Manchmal hilft selbst eine Decke kaum. Aber auch außerhalb meines Zyklus gibt es Tage, an denen mir einfach ständig kalt ist – obwohl andere die Temperatur als völlig angenehm empfinden.
Lange habe ich mich gefragt, ob das vielleicht etwas mit meiner Endometriose zu tun haben könnte. Als ich begann, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen, stellte ich fest, dass ich mit diesem Gefühl offenbar nicht allein bin.
Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass Endometriose die Ursache ist. Die Wissenschaft hat bisher keinen eindeutigen Zusammenhang nachgewiesen. Trotzdem berichten viele Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag meine persönlichen Erlebnisse mit dem aktuellen Wissensstand verbinden.
In diesem Beitrag schauen wir uns diese möglichen Ursachen genauer an.
Was passiert bei Endometriose?
Endometriose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Diese sogenannten Endometrioseherde können sich unter anderem an den Eierstöcken, dem Bauchfell, der Blase oder dem Darm befinden.
Dieses Gewebe reagiert auf die Hormone des Menstruationszyklus und kann Schmerzen, Entzündungen und Verwachsungen verursachen. Viele Frauen leiden jedoch nicht nur unter Unterleibsschmerzen. Auch Müdigkeit, Erschöpfung, Verdauungsprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten gehören häufig zum Alltag.
Warum frieren viele Frauen mit Endometriose?
Auch wenn die Forschung diese Frage noch nicht eindeutig beantworten kann, gibt es mehrere mögliche Erklärungen.
1. Chronische Entzündungen belasten den Körper
Endometriose verursacht häufig dauerhafte Entzündungsprozesse. Entzündungen kosten den Körper viel Energie. Dadurch fühlen sich viele Frauen erschöpft, kraftlos und frieren schneller.
Der Körper konzentriert sich darauf, mit den Entzündungen umzugehen. Manche Betroffene beschreiben, dass sie sich fühlen, als würden sie ständig gegen eine leichte Krankheit ankämpfen.
2. Eisenmangel durch starke Blutungen
Eine der häufigsten Ursachen für Kälteempfindlichkeit ist Eisenmangel.
Viele Frauen mit Endometriose haben starke oder lang anhaltende Menstruationsblutungen. Dadurch können die Eisenspeicher mit der Zeit leer werden.
Typische Anzeichen sind:
- häufiges Frieren
- kalte Hände und Füße
- Müdigkeit
- Schwindel
- Konzentrationsprobleme
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Blässe
Deshalb kann es sinnvoll sein, den Ferritinwert und das Blutbild regelmäßig ärztlich kontrollieren zu lassen.
3. Hormone beeinflussen die Körpertemperatur
Unsere Hormone steuern weit mehr als nur den Menstruationszyklus.
Vor allem Östrogen und Progesteron beeinflussen die Temperaturregulation des Körpers. Deshalb bemerken viele Frauen, dass ihnen je nach Zyklusphase unterschiedlich warm oder kalt ist.
Wenn zusätzlich hormonelle Veränderungen durch Endometriose oder eine Hormontherapie bestehen, kann sich dieses Empfinden noch verstärken.
4. Schmerzen kosten Kraft
Chronische Schmerzen sind anstrengend.
Wer jeden Tag Schmerzen verarbeitet, verbraucht viel Energie. Viele Frauen fühlen sich dadurch dauerhaft erschöpft.
Diese Erschöpfung kann dazu führen, dass der Körper empfindlicher auf Kälte reagiert.
5. Verspannungen verschlechtern die Durchblutung
Viele Frauen mit Endometriose spannen ihren Bauch oder Beckenboden unbewusst an, um Schmerzen auszugleichen.
Kälte kann diese Verspannungen zusätzlich verstärken.
Dadurch wird die Muskulatur noch fester und manche Frauen haben das Gefühl, regelrecht auszukühlen.
6. Weniger Bewegung
An besonders schmerzhaften Tagen bewegen sich viele Betroffene verständlicherweise weniger.
Dadurch wird die Durchblutung schlechter und Hände sowie Füße können schneller kalt werden.
Schon kleine Spaziergänge oder sanfte Dehnübungen können helfen, den Kreislauf wieder anzuregen.
7. Begleiterkrankungen
Nicht jede Kälteempfindlichkeit hängt automatisch mit Endometriose zusammen.
Manchmal steckt etwas anderes dahinter, zum Beispiel:
- eine Schilddrüsenunterfunktion
- Vitamin-B12-Mangel
- Eisenmangel
- niedriger Blutdruck
- andere chronische Erkrankungen
Wenn du dauerhaft frierst oder zusätzlich starke Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Herzrasen bemerkst, solltest du dies ärztlich abklären lassen.
Was hilft mir persönlich?
Jeder Körper reagiert anders. Mir helfen vor allem Wärme und Ruhe.
Besonders angenehm finde ich:
- eine Wärmflasche auf dem Bauch
- warme Socken
- Kuscheldecken
- Ingwer- oder Kräutertee
- warme Suppen
- ein warmes Bad
- lockere Kleidung, die den Bauch nicht einengt
Gerade an schlechten Tagen versuche ich, besonders gut auf meinen Körper zu hören.
Kleine Alltagsideen gegen das Frieren
Vielleicht helfen dir einige dieser Tipps:
✔ Zwiebellook statt einer dicken Kleidungsschicht
✔ warme Getränke über den Tag verteilt
✔ regelmäßig leichte Bewegung
✔ ausreichend trinken
✔ genügend schlafen
✔ Stress reduzieren
✔ auf eine eisenreiche Ernährung achten
✔ Blutwerte regelmäßig kontrollieren lassen
Wann solltest du zum Arzt gehen?
Wenn du ständig frierst oder sich dein Kälteempfinden plötzlich deutlich verändert, solltest du dies ärztlich abklären lassen.
Besonders dann, wenn zusätzlich folgende Beschwerden auftreten:
- starke Müdigkeit
- Schwindel
- Herzrasen
- Atemnot
- Gewichtsveränderungen
- sehr blasse Haut
- Haarausfall
Oft steckt eine behandelbare Ursache wie Eisenmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung dahinter.
Mein Fazit
Viele Frauen mit Endometriose berichten, dass sie ständig frieren oder besonders empfindlich auf Kälte reagieren. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Dennoch gibt es mehrere mögliche Erklärungen – etwa chronische Entzündungen, Eisenmangel, hormonelle Veränderungen oder die Belastung durch dauerhafte Schmerzen.
Wenn du dich darin wiedererkennst, bist du mit diesem Gefühl nicht allein.
Ich wünsche mir, dass künftig noch mehr zu diesen Begleitsymptomen geforscht wird. Denn Endometriose betrifft oft weit mehr als nur den Unterleib.
Vielleicht hast auch du schon erlebt, dass dir niemand glauben wollte, wie sehr dich das Frieren belastet. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen und Erfahrungen miteinander zu teilen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Er dient der Information und basiert auf dem aktuellen Wissensstand sowie den Erfahrungen vieler Betroffener. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden solltest du dich an deine Ärztin oder deinen Arzt wenden.